PORTRÄTSERIE PROJEKTLEITER
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Personal Data
Date of Birth: 04.02.1960 Education 1966 - 1970 Primary School, Attnang-Puchheim Career History 1991-1992 Postdoctoral Fellow with Professor O.C. Yoder (Department of Plant Pathology, Cornell University, Ithaca, NY, USA). Recipi-ent of an Erwin Schrödinger Fellowship of the Austrian Science Foundation (FWF). Project: "Isolation of a toxin biosynthesis gene of the plant pathogenic fungus Cochliobolus heterostro-phus" Awards 1992: Schroedinger fellowship (FWF); 1996: APART (ÖAW) Memberships ASM, IS-MPMI, Ges. für Mykotoxinforschung e.V., ÖGGGT
Kampf gegen Giftpilze
Der Wissenschaftler möchte die Genomforschung nutzen, um natürliche Vorgänge besser zu verstehen. Ratten sezieren und für Chemie-Olympiaden explosive Mischungen herstellen - nicht gerade alltägliche Beschäftigungen für einen Teenager. Gerhard Adam jedoch nahm Ende der 1970er Jahre mit Feuer und Flamme an den naturwissenschaftlichen Übungen an seiner Schule, dem Bundesgymnasium Vöcklabruck, teil. Nach der Matura - ging der geborene Oberösterreicher nach Wien, wo er an der Universität Wien - "ein ziemlicher Elfenbeinturm" - und an der Technischen Universität Biochemie studierte. "Während des Studiums in Wien hab ich wild nach Lust und Laune gelernt - auch wenn´s nicht gerade verpflichtend im Studienplan stand."
Schon während der letzten Studienjahre interessierte Adam sich immer mehr für die genetischen Interaktionen zwischen Pflanzen und ihren Krankheitserregern - in den frühen 1990er Jahren allerdings wissenschaftliches Neuland. "Es hätte auch weniger riskante, dafür dankbarere Themen gegeben. Solche, wo mit großer Wahrscheinlichkeit was rauskommt", so Adam, der 1991 Wien verließ - um im Nordosten der USA an der Cornell University an einem giftbildenden Schimmelpilz zu forschen. Da toxinbildende Pilze Nutzpflanzen befallen können, begannen Forscher zu dieser Zeit, das molekularbiologische Zusammenspiel zwischen Pilz und Pflanze zu untersuchen. Adam welchselte an das Cornell Plant Science Center und arbeitete an neuen Methoden zur Pflanzentransformation mit großen DNA-Fragmenten. Finanzielle Unterstützung für das schwierige Projekt erhielt er vom US Department of Agriculture. "Förderung von leicht utopisch klingenden riskanteren kleinen Projekten ermöglich Innovation und Schritte ins wissenschaftliche Neuland", so der 44-jährige aus eigener Erfahrung, der diesen Denkansatz in der heutigen europäischen Forschungspolitik vermisst.
"Um spätestens halb fünf muss einer von uns beiden das Werkzeug fallen lassen", so Adam, der sich mit seiner Frau - ebenfalls Wissenschafterin - die Erziehung der beiden Töchter teilt. "Einer von uns beiden hat dann die Möglichkeit zur Nachtschicht" - also zum Schreiben von Berichten, Manuskripten, oder zum Korrigieren von Prüfungsarbeiten. Adams Arbeitseifer hat bei den Kinder manches Mal zu der Vermutung geführt, "dass der Papa im Institut wohnt." Auch als noch kinderloser Post-Doc fand Adam es zuweilen schwierig, Karriere und familiäre Interessen unter einen Hut zu bringen. "Meine Frau und ich haben es jedoch geschafft, unsere Auslandsaufenthalte zu synchronisieren", so Adam, der 1996 aus den USA nach Wien zurück kam - und seitdem an der Universität für Bodenkultur (BOKU) forscht.
Mittlerweile leitet Adam eine kleine, rund 10-köpfige Arbeitsgruppe, die sich dem Thema "Pflanzen-Mikroorganismen-Interaktion" widmet - und zwar am Institut für Angewandte Genetik und Zellbiologie. In Adams Labor wachsen - wohl verwahrt in Brutschränken - die Untersuchungsobjekte der Forscher - vor sich hin - Schimmelpilze der Gattung Fusarium. Nicht nur für den Laien haben die Pilze wahrlich unappetitliche Eigenschaften - sie infizieren Getreidearten wie Weizen oder Mais. Der Pilz produziert Stoffwechselprodukte - so genannte Mykotoxine - von denen einige hoch giftig sind; andere wirken wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Über Nahrungs- und Futtermitteln können diese Substanzen schließlich in den menschlichen und tierischen Körper gelangen. Adams Team versucht zu verstehen, auf welche Weise sich Pflanzen gegen die Pilzgifte schützen und damit auch gegen den Pilzbefall resistenter werden. Hypothesen werden auch durch Gentransfer in Modellpflanzen (Ackerschmalwand, -Tabak) getestet.
"Unser Thema ist auch für die Öffentlichkeit absolut relevant", so Adam, der sich wundert, dass die Belastung von Getreide durch Mykotoxine nicht mehr thematisiert wird. "Ich will keine Gräuelpropaganda machen - es fällt davon niemand tot um oder wird steril." Der Biotechnologe vermutet jedoch, dass Mykotoxine in der Öffentlichkeit wesentlich stärker diskutiert würden, wären sie Menschen-gemacht und nicht auf "natürlichem Wege" von Pilzen produziert. "Es wundert mich, dass Umweltschutzorganisationen hier nicht aufschreien."
Mit dem Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber der Biotechnologie ist Adam regelmäßig konfrontiert. Sein Arbeitsplatz im 19. Wiener Gemeindebezirk liegt in unmittelbarer Nähe vom Redaktionsgebäude der "KRONE" - die Zeitung betreibt zuweilen vehementes Lobbying gegen Grüne Gentechnik. Auch wenn er der Schwarz-Weiß-Malerei und Panikmache der Gentechnik-Gegner nichts abgewinnen kann, meint Adam: "Die öffentliche Hand wird schon bald mehr und mehr gefragt sein, Ziele und Erwartungen vorzugeben, die nicht auf kurzfristige Produktentwicklung und Gewinnmaximierung ausgerichtet sind." In Bezug auf seine eigenen Arbeiten hat erklärt er Skeptikern: "Bei meiner Arbeit geht es nicht darum, mit Gewalt transgene Pflanzen für das Feld zu machen. Vielmehr möchte ich die Genomforschung nutzen, um natürliche Vorgänge zu verstehen. Dieses Wissen kann man schließlich zur Reduktion der Mykotoxinbelastung von Getreide nutzen." Adams Team scheint am besten Weg, seine Visionen zu verwirklichen: Mit der Unterstützung vom Austria Wirtschaftsservice konnten in den letzten beiden Jahren bereits zwei Patentanträge eingereicht werden.
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