Tumore des Epithelgewebes in Brust, Darm, Pankreas, Lunge und Prostata machen mehr als 80 Prozent aller menschlichen Krebserkrankungen aus. Die Umwandlung von gutartigen in bösartige Tumore (Karzinome), die meist zur Bildung von Tochtergeschwülsten, sogenannten Metastasen, führen, stellen die vorherrschende Todesursache bei Krebserkrankungen dar.
Das Ziel unseres Netzwerkprojektes ist es, molekulare Mechanismen dieser Umwandlung aufzuklären und dadurch Proteine zu identifizieren, die eine Schlüsselfunktion bei der Metastasierung von Tumorzellen besitzen. Gelingt es, die Funktionen dieser Proteine durch pharmakologische Substanzen zu hemmen, kann dies zur Rückbildung von Tumoren und zur Verhinderung der Metastasenbildung führen. Ähnliche Ansätze ermöglichten bereits die Entwicklung von Medikamenten, welche erfolgreich bei Brustkrebs (Herceptin) und bei Leukämien (Gleevec) eingesetzt werden, und aufgrund ihrer höheren Spezifität weitaus besser verträglich sind als herkömmliche Chemotherapeutika.
Karzinome werden durch eine Abfolge von Mutationen ausgelöst, welche zu definierten Veränderungen in der Molekülausstattung und im Verhalten der Zellen führen. Krebszellen wachsen unabhängig von Signalen, welche das Wachstum normaler Zellen regulieren und die Versorgung des Tumorgewebes mit Blut- und Lymphgefäßen induzieren können. Entscheidend für die Metastasenbildung ist die Fähigkeit bösartiger Tumorzellen aus dem Gewebeverband auszubrechen und als "Wanderzellen" über Blut- oder Lymphgefäße andere Organe zu befallen. Bei der Tumorprogression kommt es zu einem Zusammenspiel von vielen Signalwegen, die in einigen physiologischen Prozessen schon gut charakterisiert sind (z.B. Wundheilung), deren Vernetzung im Tumor aber noch weitgehend unbekannt ist. Mit speziellen Ansätzen der Genomforschung können diese komplexen Mechanismen analysiert werden. Dabei wird mit Hilfe von DNA Chips, die nahezu alle Gene enthalten, das Expressionsmuster jener Ribonukleinsäuren (mRNA) bestimmt, die für Proteine einer Tumorzelle kodieren.
Mitglieder unseres Netzwerkes am Vienna Biocenter (VBC) und am Institut für Krebsforschung (ICR) haben eine Vielzahl von Zell- und Tiermodellen entwickelt, an denen Mechanismen der Tumorprogression entschlüsselt werden konnten, nicht zuletzt durch die erfolgreiche Anwendung und Weiterentwicklung der DNA Chip-Technologie. Mitglieder des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien (AKH) und von Boehringer Ingelheim Austria (BIA) haben bereits erfolgreich mRNA Expressionsanalysen von Geweben wichtiger menschlicher Tumore durchgeführt.Innerhalb unseres Netzwerkprojektes sollen Gene identifiziert werden, die die lokale Invasion und Metastasierung verursachen, und sich daher zur Diagnose, Überwachung und als Angriffspunkte spezifischer Therapeutika gegen Krebserkrankungen besser eignen sollten. Im Gegensatz zur konventionellen Chemotherapie, würde dies einen bedeutenden Fortschritt in der patientenbezogenen Krebsbekämpfung darstellen. Die Kooperation von führenden Instituten der Grundlagenforschung und klinischen Forschung mit einem Pharmakonzern, und der damit verbundenen Erfahrung und Infrastruktur stellt einen einzigartigen, synergistischen Ansatz in Österreich dar.