Erkranktes Gewebe beinhaltet die gesamte Information über die genetischen und epigenetischen Veränderungen, welche die Erkrankung verursacht und ihren Verlauf (Prognose) bestimmt haben. Neueste Entwicklungen in der Genom- und Proteomforschung machen es möglich, diese Information zu entschlüsseln und geben neue Einblicke in die molekulare Pathogenese von Krankheiten. Dieses Wissen wiederum bildet eine Grundlage für die Entwicklung neuer Diagnostika und spezifisch wirksamer Medikamente. Derzeit ist jedoch der Zugang zu erkranktem humanem Gewebe ein limitierender Faktor in der medizinischen Genomforschung. Es besteht daher ein dringender Bedarf an Gewebesammlungen, die höchsten Qualitäts- und Rechtskriterien entsprechen.
Es ist geplant, eine einzigartige humane Geweberessource für die Genomforschung in Form einer Krankheitsbank zu etablieren. Die Krankheitsbank soll eine Sammlung von kranken und gesunden menschlichen Geweben, entsprechende Blutproben und, falls möglich, Zelllinien wie auch detaillierte (anonymisierte) Patientendaten und einen Informed Consent umfassen.
Der Aufbau der Krankheitsbank basiert auf einer der weltweit größten Gewebesammlungen, die bereits am Institut für Pathologie der Universität Graz existiert. Diese Sammlung umfasst derzeit 2.5 Mio in Paraffin eingebettete und 28.000 in flüssigem Stickstoff gelagerte Proben. Eine Vervollständigung und Erweiterung der Sammlung durch interdisziplinäre Kooperationen mit Spitälern in ganz Österreich ist geplant. Spezieller Augenmerk wird auf die Qualität der Proben, die zusätzliche Erfassung von detaillierten Angaben aus der Patientengeschichte inklusive krankheitsrelevanter Laborparameter, sowie Daten über Behandlung und Verlauf der Erkrankung gelegt werden. Zusätzlich sollen Blutproben zu verschiedenen Krankheitszeitpunkten von Patienten gesammelt und, in speziellen Fällen, auch Zelllinien und Nacktmaus Xenotransplantate zur funktionellen Charakterisierung von Genen generiert werden. Außerdem werden spezifische Maßnahmen getroffen, um die Anonymität der Patienten zu garantieren und ein umfassender Informed Consent eingeholt. Zur Qualitätssicherung erfolgt der Aufbau der Krankheitsbank nach entsprechenden Standard Operating Procedures, die nach Richtlinien der FDA und Empfehlungen der Europäischen Länder ausgearbeitet werden. Um diese wichtige Ressource auch einer größeren wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich zu machen, werden vermehrbare Komponenten, wie Krankheits-spezifische Genbibliotheken und gut charakterisierte Zelllinien generiert sowie ein Roboter zur Herstellung von Gewebemikroarrays entwickelt.