Neben der DNA als zellulärer Informationsträger sind Eiweißmoleküle (Proteine) als zelluläre Werkzeuge maßgeblich an der Entstehung von Krankheiten beteiligt. Es ist daher eine der größten Herausforderungen der molekularen Biowissenschaften, neben dem Genom auch das sogenannte Proteom aufzuklären, das die Gesamtheit aller Proteine (Genprodukte) einer Zelle und deren Funktion darstellt.
Das Genom ist die Summe der gesamten Genetischen Information, die in den Chromosomen oder in einem Organismus enthalten sind. Das Proteom bezieht sich jedoch auf das gesamte Proteinuniversum und ist keine statische sondern eine sehr dynamische Größe. Proteom inkludiert die Expressionsprofile von Genprodukten als auch ihre Post-translationalen Modifikationen, die nur augenscheinlich werden, wenn man die Proteine selbst untersucht. Im Gegensatz zum Genom, das in jeder Zelle eines Organismus dieselbe Information trägt, ändert sich das Proteom andauernd. Das Proteom reflektiert daher den physiologischen oder pathologischen Zustand einer Zelle, eines Gewebes, oder eines gesamten Organismus zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt unter ganz bestimmten Bedingungen. Durch Proteomuntersuchungen unter exakt definierten Bedingungen erhoffen sich die Grundlagenforscher metabolische Netzwerke, Netzwerke der Signaltransduktion und physiologische als auch pathologische Zustände besser verstehen zu lernen. Durch die inhärente Komplexität der Proteomforschung haben sich überall in der Welt wissenschaftliche Konsortia formiert, um die Synergien zwischen den einzelnen Technologien maximieren zu können.
Aus diesem Grund haben sich auch österreichische Grundlagenforscher zu einem solchen Netzwerk zusammengeschlossen und die "Österreichische Proteomics Plattform" gegründet.
Derzeit sind 5 Forscherteams der Universität Innsbruck, der Universität Graz, des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) und der Universität für Veterinärmedizin in Wien involviert. Die Partner haben individuelle Projekte eingereicht, sich aber entschlossen, Ressourcen und Technologien untereinander auszutauschen und gemeinsam zu verwenden, um die Etablierung einer solchen Technologie Plattform in Österreich zu ermöglichen. Die Forscherteams fokussieren dabei auf bestimmte biologische oder technische Probleme, wo die bereits verfügbare Expertise einen kompetitiven Vorteil, im direkten Vergleich zum internationalen Standart, erwarten lässt.
In der ersten Phase werden folgende Aktivitäten angestrebt:
° Aufbau einer "State-of-the-Art" Proteomik-Infrastruktur
° Technologische Weiterentwicklung mit Hinblick auf funktionelle Proteomik, d.h. Ermittlung der zellulären Aufgaben von Proteinen (Protein-Protein/Ligand Interaktionen, post-translatorische Modifikationen, etc.)
° Ausarbeitung neuer Protokolle und neuer stationärer Phasen für die Protein- und Peptid-Trennung
° Bioinformatische Weiterentwicklung der Datenauswertung
° Ausbildung von hochqualifizierten Wissenschaftern